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Keine Reduktion der Arbeitszeit | 08.12.2023

Gemäss aktuellen Umfragen fühlt sich ein Drittel der Menschen bei der Arbeit gestresst. In der Schweiz sind Hunderttausende Burnout-gefährdet! Wollen wir das!? Arbeiten bis zum Umfallen!? Nein! Wir arbeiten ja nicht freiwillig. Die meisten Menschen stellen ihr Arbeitskraft zur Verfügung, um genug zum Leben zu haben. Wie viele Arbeitsstunden sind denn das richtige Mass? Noch im 19. Jahrhundert war es oft der Fall, dass täglich 15 Stunden gearbeitet wurden. Das sind 90 Stunden pro Woche! Zum Glück hat sich das geändert. Im Landesstreik wurden 48 Stunden gefordert und erfolgreich durchgesetzt. Das war ein gewaltiger Fortschritt. Im Verlauf des 20 Jahrhunderts reduzierte sich die Arbeitszeit weiter. Heute arbeiten wir im Durchschnitt 41 Stunden die Woche bei 100%. Aber ist das nun das richtige Mass?


Aufgrund der beunruhigenden Zahlen zu gestressten Arbeitnehmenden kamen Grossratskollegin Andrea Zryd und ich zum Schluss, dass es an der Zeit ist, die Arbeitszeit weiter zu reduzieren. Wir forderten deshalb mit einem Vorstoss die Einführung einer 38-Stundenwoche für das Kantonspersonal. Sind die Arbeitnehmenden weniger gestresst, geht es ihnen besser, sie können Familie und Beruf besser vereinbaren – und sie sind auch produktiver. Zudem hätte der Kanton als fortschrittlicher Arbeitgeber einen entscheidenden Vorteil im gegenwärtigen Fachkräftemangel.


In mehreren Staaten und Unternehmen wurde die Reduktion der Arbeitswochenzeit bereits ausprobiert. Island testete schon zwischen 2015 und 2019 eine 4-Tage-Woche und führte aufgrund der guten Erfahrung ab 2021 die 35-Stundenwoche für alle ein. In Grossbritannien testeten 2022 ganz viele Unternehmen freiwillig in einem Pilotprojekt die 4-Tage-Woche; die meisten von ihnen behielten die Reduktion aufgrund der positiven Ergebnisse definitiv bei. Auch im Kanton Bern gibt es Unternehmen, welche die Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn reduzieren.


Arbeitsrechtlich kann der Kanton Bern eine Arbeitszeitreduktion nur für die eigenen Angestellten einführen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Privatwirtschaft ebenfalls die Arbeitszeit reduzieren würde, wenn der Kanton als grösster Arbeitgeber vorangeht. Dies bestätigte auch der Regierungsrat in seiner Vorstossantwort. So schrieb er: «Würde der Kanton Bern mit einem solchen Modell vorausgehen, müsste die Wirtschaft, um Wettbewerbsnachteile abzuwenden, nachziehen.» Das ist natürlich das Ziel. Denn es sollen nicht nur die Kantonsangestellten von einer fortschrittlichen Regelung der Arbeitszeit profitieren, sondern alle Arbeitstätigen.


In der Wintersession 2023 des Grossen Rats wurde unser Vorstoss diskutiert. Die rechtsbürgerliche Grossratsmehrheit wollte aber nichts gegen die steigende Überlastung tun und lehnte den Vorstoss ab. Aus unserer Sicht ist das eine verpasste Chance. Immerhin bekräftigte auch die zuständige Regierungsrätin Astrid Bärtschi, dass sie sich der Herausforderungen bewusst ist und das Thema auf dem Radar behält. Die Probleme der Überlastung bleiben und deshalb braucht es über kurz oder lang eine Reduktion der Arbeitszeit.


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