Velostadt Bern | Der Bund, 25.04.2015

 

Die vom «Bund» vorgeschlagenen Velorouten lösen unterschiedliches Echo aus. Grosse Pläne hat Köniz. Ostermundigen hat das Thema aus Geldnot zurückgestellt. David Stampfli, Präsident von Pro Velo Bern, findet die vorgeschlagenen Routen «sehr gut», hat aber noch «einige Mängel» ausgemacht.

 

 

«Velostadt Bern?», hat der «Bund» vor einer Woche gefragt – und Routen präsentiert, die dazu beitragen könnten, dass man diese Frage dereinst mit Ja beantworten kann. Anlass dazu war die «Velo-Offensive», mit der die Berner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) die Bernerinnen und Berner zum Velo fahren animieren will.

 

Ursula Wyss nimmt auf Anfrage keine Stellung zu einzelnen Routen (siehe Karte: blaue Routen). Sie bekräftigt ihre Absicht, die wichtigen Velorouten «weitgehend entlang der stadträumlichen Hauptachsen» zu führen. Auf diesen bestehe die grösste Nachfrage und der grösste Handlungsbedarf. Der «Bund» hat vorgeschlagen, die Routen so oft wie möglich abseits der Hauptstrassen zu führen, damit auch Leute sie benutzen, die sich heute nicht getrauen, in der Stadt Velo zu fahren (was Wyss’ erklärtes Ziel ist). «Die vorgeschlagenen Routen zeigen interessante Alternativen auf, welche weniger direkt verlaufen, dafür mit höherem Komfort ausgerüstet werden können», teilt sie mit. Sie seien darum «sicher auch für den Freizeit-Veloverkehr wichtig».

 

In Berns Nachbargemeinden ist zwar nicht die Rede von einer «Velo-Offensive», doch bestehen auch dort teils umfangreiche Pläne. Bereits konkret sind sie in Köniz. Die Gemeinde hat vor, im Liebefeld eine Route einzurichten, die zu grossen Teilen mit dem «Bund»-Vorschlag übereinstimmt. Auch die Durchquerung des neuen Verwaltungszentrums im Liebefeld ist bereits vorgesehen, wie die Könizer Verkehrsvorsteherin Katrin Sedlmayer (SP) auf Anfrage sagt. Nicht vorgesehen ist dagegen, die Velos durch den Liebefeld-Park zu leiten. «Der Gemeinderat hat entschieden, die Wege durch den Park nicht zu asphaltieren», sagt sie. «Wenn wir das täten, käme es vermehrt zu Konflikten zwischen Velofahrern und Fussgängern und wir müssten die Wege im Winter räumen.» Vorgesehen ist weiter eine Veloverbindung zwischen Stapfen- und Muhlernstrasse. Der bestehende Weg ist zu steil. Laut Sedlmayer könnte die Lösung ein neuer Weg mit Kehren sein.

 

Auch in Köniz ist die Route abseits der Hauptstrasse aber als sogenannte Nebenroute konzipiert und auf den Freizeitverkehr ausgerichtet. Sedlmayer geht davon aus, dass schnelle Velofahrer weiterhin die Schwarzenburgstrasse benützen werden. Zwei komplett neue Velowege möchte die Gemeinde entlang der Bahnlinien in Wabern und Köniz bauen. Diese lassen sich aus finanziellen Gründen aber erst realisieren, wenn die BLS die Strecken auf Doppelspur ausbaut.

 

Entschieden weniger weit ist man in Ostermundigen. Zwar gibt es dort ein «Konzept zur Verbesserung der Veloinfrastruktur», doch hat das Parlament dieses aus finanziellen Gründen zurückgestellt. Unklar ist die Situation in Bremgarten. Dort verläuft nur ein kurzes Stück der Route nach Bern auf dem eigenen Gemeindegebiet. Auf diesem aber gilt es, die Steigung von der Felsenaubrücke zum Schloss zu bewältigen. Die Strasse ist schmal und links und rechts durch Mauer und Geländer begrenzt. Ob dort ein Velostreifen markiert werde, sei noch nicht klar, sagt Gemeinderat Werner Meile (SP). «Wir werden diesen Abschnitt ohnehin sanieren müssen. Dabei werden wir prüfen, was möglich ist.»

 

David Stampfli, Präsident von Pro Velo Bern, findet die vorgeschlagenen Routen «sehr gut», hat aber noch «einige Mängel» ausgemacht. Etwa seien sie teilweise zu wenig direkt (siehe Karte, blaue Route ab Bümpliz) oder enthielten zu steile Abschnitte (siehe Karte, blaue Route ab Wabern). Stampfli betont, dass es nicht nur Routen ins Zentrum, sondern auch zwischen den Quartieren brauche. Ausserdem brauche es besonders im Raum Bahnhof-Hirschengraben Anpassungen.

 

Stampfli unterstützt Ursula Wyss’ Plan, die Routen vorwiegend auf den Hauptachsen einzurichten. An gewissen Stellen, etwa über die Grosse Allmend, halte er Routen abseits der Hauptstrassen für sinnvoll. An vielen Orten, etwa auf dem Nordring, dränge es sich aber auf, der Hauptstrasse zu folgen. Dort müsse man den Velos genügend Platz geben – wenn nötig auf Kosten der Autos.

 

 

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