Fehlende Frauen-Garderoben | 20min, 05.03.2015

 

Viele Berner Klubs führen keine Damen-Mannschaften – weil Infrastruktur wie Garderoben fehlen. Der Nachwuchs droht auszugehen. Besonders angespannt ist die Situation in der Stadt Bern, wie die Antwort des Gemeinderats auf ein Postulat von Stadtrat David Stampfli (SP) zeigt.

 

 

Der Berner Frauenfussball droht zu Grunde zu gehen: «Die Zahl der weiblichen Juniorenteams hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert», sagt Andreas Aebi, Leiter Ressort Frauenfussball vom Fussballverband Bern/Jura.

 

Grund dafür sind die Männer – denn viele Klubs werden von fussballbegeisterten Jungen überrannt. Weil die Plätze, Garderoben und Duschen durch sie belegt sind, scheuten sich sich viele Verantwortliche, Damen-Mannschaften zu bilden. «Wenn es schon für die Buben zu wenig Platz hat, wird es für weibliche Teams noch schwieriger», so Aebi. Dabei würden viele Mädchen gerne kicken gehen.

 

Besonders angespannt ist die Situation in der Stadt Bern, wie die Antwort des Gemeinderats auf ein Postulat von Stadtrat David Stampfli (SP) zeigt: Acht Sportanlagen haben keine genderkonformen Garderoben. Dass diese aber nötig wären, zeigt sich etwa am Beispiel des FC Länggasse, der innerhalb von zwei Jahren drei Damen-Mannschaften mit über 60 Spielerinnen gegründet hat. Was das Infrastrukturproblem weiter verschärft, wie Trainer Thomas D'Ascoli beschreibt: «Die Situation ist prekär. Manchmal müssen sich Mannschaften draussen oder in der Abstellkammer umziehen.» Der Boiler reiche nicht aus, damit alle warm duschen könnten. Und: «Durch das Platzproblem fühlen sich die Mädchen noch weniger wertgeschätzt.»

 

Beim SC Holligen 94 klingt es ähnlich, dort werden wegen der ständigen Belegung und Wechseln von Buben und Mädchen in der Garderobe Trainer vor den Türen postiert, damit es nicht zu unangenehmen Situationen kommt. Und: Man begegnet dem Problem mit viel Organisation: «Die Belegung der Garderoben und Duschen planen wir minutiös ein. Und bei Turnieren weichen wir auf das nahe gelegene Schulhaus aus. Doch dessen Nutzung kostet Geld», sagt Trainer Roberto Campanielli.

 

Im Sommer findet die Frauenfussball-WM in Kanada statt. Beim SC Holligen 94 rechnet man damit, dass dies einen Nachwuchs-Boom bei den Mädchen auslösen könnte – was das Platzproblem weiter verschärfen würde. Keine weiteren Modis aufzunehmen, kommt für den Klub aber nicht in Frage. «Wir haben bereits einen Notfallplan ausgearbeitet und würden das Schulhaus vermehrt nutzen», so Campanielli. Dann würden aber wohl die Mitgliederbeiträge steigen.

 

Die Stadt hat das Problem erkannt. Mehr Garderoben sollen laut Gemeinderat in den nächsten Jahren bei der Sanierung der bestehenden Anlagen eingerichtet werden. Weiter denke man darüber nach, Container fürs Umziehen und Duschen aufzustellen.

 

 

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