«Leuchtturmprojekt» Velobrücke | Der Bund, 30.01.2015

 

18,4 statt 14 Millionen Franken: Die umstrittene Fuss- und Velobrücke zwischen Berns Quartieren Lorraine und Länggasse wird teurer. David Stampfli, SP-Stadtrat und Präsident von Pro Velo Bern, sieht indes keinen Grund zur Aufregung.

 

 

 

Sie wurde als «Leuchtturmprojekt», als «Riesenchance für die Stadt Bern» und auch als «künftiger Touristenmagnet» bezeichnet: die etwa 150 Meter lange Velo- und Fussbrücke, die dereinst quer über die Aare führen und die Stadtteile Breitenrain und Länggasse miteinander verbinden soll. Im Berner Stadtrat stiess die Idee auf viel Zuspruch, mit 40 zu 19 stimmte er vor rund vier Monaten einem Projektierungskredit in der Höhe von über einer halben Million zu, damit mögliche Lösungen ausgearbeitet werden können. An diesen wurde in den letzten Wochen mit Hochdruck gearbeitet. Gemäss einem Artikel in der «Berner Zeitung» von gestern haben sich die Planer inzwischen für eine Variante entschieden: Die Brücke soll zwischen der Polygonbrücke in der Lorraine und der Engestrasse in der Länggasse verlaufen.

 

Das Problem: Während im Herbst von einem Investitionskredit in der Höhe von 14 Millionen ausgegangen wurde, soll die Brücke nun 18,4 Millionen kosten – dies bei einer Kostengenauigkeit von plus/minus 50 Prozent. Hinzu kommen gemäss «Berner Zeitung» Kostenrisiken von 6,6 Millionen sowie jährliche Unterhaltskosten von 250'000 Franken. Und: Die Stadt müsste für diese Variante verschiedentlich Land erwerben, was wiederum 200'000 Franken kosten würde. Die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) bestätigte, dass eine Variante im Vordergrund stehe, die teurer zu stehen komme als angenommen. Sie betonte allerdings, dass die Kosten «noch mit grosser Zurückhaltung» zu betrachten seien. Noch sei nicht klar, wo genau und wie lange die Brücke überhaupt sein werde. Es handle sich noch immer um eine «vage Schätzung», die sich zur definitiven Eingabe des Projekts noch verändern könne – «auch gegen oben».

 

Bei den Bürgerlichen kommt die neuste Schätzung nicht gut an: Seine Partei sei gegenüber dem Projekt von Anfang an skeptisch gewesen, sagte FDP-Frak­tionschef Bernhard Eicher auf Anfrage. Es sei ein Prestigeprojekt, dessen Notwendigkeit umstritten sei. Aufgrund der neusten Kostenentwicklung stelle sich nun die Frage, ob es überhaupt Sinn mache, das Projekt weiterzuverfolgen. Er sei sich schon bewusst, dass es sich bei den 18,4 Millionen um eine Schätzung handle. Allerdings sei davon auszugehen, dass die definitiven Kosten dereinst noch viel höher ausfallen würden.

 

David Stampfli, SP-Stadtrat und Präsident von Pro Velo Bern, sieht indes keinen Grund zur Aufregung. Es sei klar, dass das Projekt von bürgerlicher Seite kritisiert werde, das geschehe «aus Prinzip». Es handle sich bei der Brücke in der Tat um «ein Projekt, das etwas kostet»; allerdings sei es sinnvoll, dass die Stadt in den Veloverkehr investieren und eine Netzlücke schliessen wolle. Zudem handle es sich bei den 18,4 Millionen lediglich um eine Schätzung, es sei möglich, dass das definitive Projekt dereinst weniger kosten werde. Bis das Projekt stehe, müssten etliche Fragen geklärt werden, sagte Stampfli. Aber schon jetzt sei klar, dass dieses Bauwerk für viele einen grossen Gewinn darstellen werde.

 

 

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