Tram Region Bern | Mein Votum im Stadtrat

 

Der Stadtrat sagt in seiner Sitzung vom 19.06.2014 Ja zum Tram Region Bern. Anbei mein Votum.

 

 

 

 

 

«Ich bin als Politiker der Meinung, dass man transparent sein muss; deshalb möchte ich hier mit gutem Vorbild vorangehen. Ich wohne an der Ostermundigenstrasse 38 und arbeite an der Monbijoustrasse 61. Ich fahre meistens mit dem Velo zur Arbeit und bei schlechtem Wetter nehme ich den Bus. Sie sehen, ich bin genau auf der Route des 10er- Busses beziehungsweise gegebenenfalls der Tramlinie 10. Zudem bin ich Präsident von Pro Velo und bekunde hier ureigene Interessen. Pro Velo Bern hat gegen dieses Projekt Tram Region Bern eine Einsprache eingereicht mit 35 Punkten. Wir haben in den letzten Monaten lange Einspracheverhandlungen geführt. Uns ging es darum, eine konstruktive Einsprache zu machen, die dazu dienen soll, das Tramprojekt so veloverträglich wie möglich gestalten zu können, falls es angenommen wird.

 

Vorneweg: Die Tramschienen sind für Velofahrende gefährlich. Das wissen alle, die einmal auf einem Velo gesessen sind. Zusätzlich ist es heikel für die Velofahrenden, wenn sie die Haltestellen umfahren müssen. Sogenannte Kaphaltestellen sind eine ziemliche Herausforderung. Und je mehr Ampeln es gibt, desto weniger schnell kommt man als Velofahrende vorwärts. Das Projekt Tram Region Bern weist verschiedene sehr heikle Stellen für die Velofahrenden auf. Ich greife drei heraus: Viktoriaplatz, die Kreuzung Laubeggstrasse-Ostermundigenstrasse hinter dem Rosengarten und der Kreisel beim Pulverweg. Das sind Orte, bei denen man aus Sicht von Pro Velo mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden sein kann. Mehr Sicherheit ist technisch machbar und wir erwarten von der Projektleitung, der Stadt Bern und dem Kanton Bern, dass sie hier Pro Velo Bern und allen Velofahrenden der Stadt Bern entgegenkommt – und glauben Sie mir, das sind nicht wenige; es gibt 100 000 Velos in der Stadt Bern.

 

Ich möchte betonen, dass die Projektleitung zu Beginn ein Projekt vorgelegt hat, das nicht unbedingt velofreundlich war. Aber im Rahmen der Verhandlungen konnte man feststellen, dass auch die Projektleitung kompromissbereit sein kann. Wir haben unterdessen festgestellt, dass von unseren anfänglich 35 Einsprachepunkten die meisten bereinigt werden konnten. Und das anerkennen wir. Das ist eine grosse Leistung und freut uns, denn es war anstrengend.

 

Die heutige Velosituation auf der Route der Buslinie 10 ist nicht optimal. Es gibt viele Parkplätze, es hat schmale Strassen – beispielsweise die Ostermundigenstrasse –, die für Velofahrende gar nicht angenehm sind. Es gibt gefährliche Kreuzungen wie den Viktoriaplatz und den Eigerplatz. Zudem sind die Busse für Velofahrende höchst unangenehm. Sie drängen sie ab. Überdies haben sie einen toten Winkel wie ein Lastwagen und sie weisen eine höchst unruhige Fahrweise auf. All diejenigen, die nun Megabusse als grosses Versprechen bringen: Für Velofahrende sind Megabusse absolut inakzeptabel.

 

Aus öV-Sicht macht das Tram Region Bern ganz sicher Sinn. Das verstehe ich voll und ganz. Unser Fraktionssprecher Michael Sutter hat das perfekt ausgeführt. Auch Velofahrende benutzen gerne das Tram. Wenn es hagelt und schneit, steige ich auch gerne einmal in den Bus oder ins Tram. Nehmen wir an, es gäbe ein Tram auf der Buslinie 10, dann gäbe es weniger Parkplätze, wie aus den Plänen hervorgeht; in Anbetracht der aufschwingenden Autotüren ist das praktischer. Es gäbe breitere Strassen und Platz für Velostreifen. Der Velostreifen würde nicht plötzlich aufhören wie dies beispielsweise heute bei der Viktoriastrasse der Fall ist. Der Eiger- und der Viktoriaplatz werden auch verbessert; auf dem Eigerplatz gibt es neu extra für Velos einen Bypass. Zudem kann ein Tram ein Velo nie abdrängen, denn ein Tram bleibt in seinen Schienen und das ist für Velofahrende sehr beruhigend. Wenn man parallel zum Tram fährt und ausreichend Platz hat, dann ist das Tram viel angenehmer als der Bus.

 

Ich werde dem Tramprojekt zustimmen und ein sehr kritisches Ja einlegen, weil ich mir bewusst bin, dass Trams für Velofahrende heikel sind. Aber ich glaube daran, dass die Projektleitung da mithilft. Wir haben diese Einsprache eingereicht und werden sie auch noch nicht vollumfänglich zurückziehen, damit wir einen Hebel haben, um das Tram veloverträglich zu gestalten. Ich werde ein sehr scharfes Auge auf die Umsetzung dieses Projekts haben und schauen, dass die Versprechen eingehalten werden. Abschliessend bitte ich, den Antrag der PVS Artikel 5 (neu) zu unterstützen.»

 

 

Gemeinderatsvortrag - Tram Region Bern als PDF

 

Protokoll der Stadtratssitzung vom 19.06.2014 als PDF

 

 

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